You were awarded the prestigious Schelling prize for theory in 2018, but describe yourself as an architect, and have designed buildings for Ai WeiWei/Herzog de Meuron’s “village” in Mongolia and have also staged theatre plays. Is theory and practice basically the same field of work for you?

For me, it’s the same. The theory I have been working on is changing habits of mind about design to confront intractable contemporary political and environmental problems. So everything is related to design. That is not always the case in architectural theory. Theorists are often keepers of knowledge, keepers of networks of thoughts. And I’m responsible for that, too. But for me it’s crucial that speculation impacts design.

Is there also a historical dimension to your research, or are you focusing on diagnostics of the present?

I have investigated historical parallels, and history is crucial. But I also decided to develop a methodology for looking at contemporary architectural evidence of architecture. There is no comfortable archive to visit. You are often grazing over global news wires, or eavesdropping on the promotional materials that global powers present. The world makes space by the 1,000s of acres a day—in a firehose blast. I wanted to ask the question: If it is space, and if it is making some of the most radical changes to the globalizing world, there is a chance we designers know something about it—maybe even more about this than McKinsey consultant or Deloitte consultant who is given authority to make global decisions. So I have been asking how we can put between our hands the space that is considered to be out of our hands.

Speaking of this evidence: Some of the thoughts you elaborate come from watching promotional videos about urban developments in Arabia and East Asia – so called special economic zones. You describe them as Free Zones. Could you elaborate on that? What information did you gather from these films?

Every country is trying to attract foreign investment, and these promotional videos are all the same. There is always a drop down through clouds from the atmosphere to identify what is supposed to be the new centre of the Earth. Cartoon skylines, sun flares, identical villas and golf courses, thundering music in the background. That is part of what has become a cultural habit for building and promoting this urban epidemic of free zones.

Von Quito bis Sydney, von Wien bis New York: Seit kurzem ist der Bogen in der Architektur zurück. Plötzlich, unerwartet und weltweit

Das Kulturzentrum Mattersburg, eine Ikone des Brutalismus, ist Geschichte. Warum tut sich das Bundesland mit der Baukultur so schwer?

Alle Hilferufe und Appelle haben nichts geholfen: Letzte Woche begannen die Bohrer, sich in den dicken Stahlbeton des Kulturzentrums (KUZ) Matter1burg zu fräsen. Bis auf ein kleines Stück Fassade wird der im Mai 1976 eröffnete Bau des Architekten Herwig Udo Graf Geschichte sein, und mit ihm ein Zeugnis der burgenländischen Kultur- und Bildungsoffensive der Nachkriegszeit.

Warum werden Städte von New York bis Berlin unleistbar teuer? Der Film "Push" zeigt, wie eine UN-Botschafterin die Hintergründe aufdeckt

Toronto. Kleine Wohnung, kleine Küche. Das Fenster schließt nicht, das Wasser leckt. Reparaturen: Fehlanzeige. Die neuen Besitzer des Hauses sind anonym, niemand hat sie gesehen. "Könnte Frosty, der Schneemann sein", sagt der Mieter mit traurigem Sarkasmus. Doch sie haben Spuren hinterlassen: ein halbes Dutzend Überwachungskameras – und eine drastische Mieterhöhung.

Berlin. Der bullige Kiez-Bäcker im Dialog mit dem jungen Baustadtrat Florian Schmidt. Die Miete für den Laden ist drastisch erhöht worden. Der Stadtrat versucht, Hoffnung zu wecken. Der Bäcker sieht keine Chance. Aber er will trotzdem kämpfen.

Seoul. Ein Mann berichtet, wie sie kamen, ihn verprügelten und seine Frau traten, um sie aus ihrem Haus im Stadtzentrum zu vertreiben. London. Die Brandruine des Grenfell Tower. Viele Überlebende sind fast zwei Jahre später immer noch ohne dauerhafte Bleibe. Wenn sie eine bekommen, wird sie vermutlich nicht mehr hier sein. Das multikulturelle Viertel, in dem man sich vom Sehen kannte, ist heute Premium-Lage. "Sie haben gesagt, wer sich London nicht leisten kann, soll halt woanders hinziehen", schnaubt der Londoner, der sich gerade über seine Motorhaube beugt. "Die spinnen wohl!" Es ist in allen Städten dasselbe Phänomen: Der sicher geglaubte Lebensraum wird den Menschen unter den Füßen weggezogen. 

Eine kleine Frau mit wachen Augen hört diesen Menschen zu, macht sich Notizen, fragt nach. Ihr Name ist Leilani Farha. Die Kanadierin ist UN-Sonderbotschafterin für angemessenes Wohnen. Push heißt der Dokumentarfilm des schwedischen Regisseurs Fredrik Gertten, der sie dabei begleitete. Farha versucht zu verstehen, was hier passiert, warum es überall gleichzeitig passiert und was dahintersteckt. Also fragt sie Experten wie den Nobelpreisträger Joseph Stiglitz oder die Soziologieprofessorin Saskia Sassen. "Dass die Mieten steigen, ist ein Mechanismus, den jeder versteht", sagt Sassen. "Aber dann kommt jemand anderer ins Spiel: Ein Monster, das niemand sieht, dessen Sprache niemand versteht. Also fragt man sich: Wer ist dieses Monster?"

Das soeben eröffnete Tottenham Stadium in London soll das beste der Welt sein. Sagen jedenfalls dessen Architekten

Für die Tottenham Hotspurs wurde es leider auch in dieser Saison nichts mit der Meisterschaft in der Premier League. Daran änderte auch der 2:0-Sieg am 3. April gegen Crystal Palace nichts. Trotzdem war das Spiel für den 1882 gegründeten Nordlondoner Traditionsklub ein Meilenstein: Es war das erste im neuen Tottenham Stadium. Der Vorgänger, die berühmte White Hart Lane aus dem Jahr 1899, war immer wieder adaptiert worden, bis Präsident Daniel Levy beschloss, ihn komplett zu ersetzen – nicht mit einem Neubau am Stadtrand, sondern am selben Ort, mit Platz für exakt 62.062 Zuschauer.

Zwar werden Stadien immer wieder neu gebaut, erst recht in England, wo Oligarchen und Milliardäre besonders viele Oligarchenmilliarden in ihre Vereine pumpen. Da wird gerne mit Superlativen um sich geworfen. Dennoch kommt es nicht jeden Tag vor, dass ein Architekt behauptet, dieses sei das beste Stadion der Welt. Noch dazu, wenn Christopher Lee, der diese Aussage zur Eröffnung tätigte, Partner beim Büro Populous ist, das weltweit (Stand heute) 1325 Stadien in 34 Ländern geplant hat, darunter das Olympiastadion 2012 in London.

Was aber macht ausgerechnet das Spurs-Stadion zur neuen Benchmark? Diese und andere Fragen beantwortete Populous-Architekt Tom Jones, federführend beim Tottenham-Stadion, vor kurzem in Wien auf einer Fachtagung der Internationalen Vereinigung Sport- und Freizeiteinrichtungen (IAKS) und des Österreichischen Instituts für Sportstättenbau (ÖISS). "Unser Ziel war es, das Stadionerlebnis neu zu definieren," erklärt Tom Jones im STANDARD-Gespräch. Ein Balanceakt dabei: sowohl eingefleischte Fans als auch zahlungskräftige, aber wenig am Mitfiebern interessierte VIPs zufriedenzustellen – eine Kundschaft, für die man bei Manchester United den wenig schmeichelhaften Begriff der "Prawn Sandwich Brigade" erfand.

Die Parkapartments Belvedere wurden von Großmeister Renzo Piano entworfen. Von dessen raffinierter Leichtigkeit ist in dieser Wertanlage wenig zu spüren

"Stararchitekt? Ein furchtbarer Begriff!" Renzo Piano verzieht das Gesicht, macht eine abwehrende Geste. Dann greift er in seine Jackentasche und zieht einen Bleistift heraus. "Das hier ist unser Instrument. Architekt zu sein ist ein ernsthafter Beruf. Es geht darum, Orte für Menschen zu schaffen. Architektur ist nicht nur einfach eine Geste. Star – das hat etwas Frivoles, und das hat mit dem Planen von Gebäuden nichts zu tun. Ich hoffe, der Begriff Stararchitekt verschwindet bald!"

Ganz so bald wird der Begriff nicht verschwinden, denn der Investor des Gebäudes, in dem der italienische Architekt sitzt, wirbt selbst damit: "Was entsteht, wenn in zentrumsnaher Lage einer Metropole ein internationaler Stararchitekt Wohnraum entwirft? Etwas Einzigartiges! Ein traumhafter Blick über die Dächer von Wien. Sogar bis zum Horizont – bei den exklusiven SELECTION-Wohnungen der PARKAPARTMENTS AM BELVEDERE." So das enthusiastische Intro einer Hochglanzbroschüre, die potenzielle Käufer der 342 Apartments anspricht.

85 Prozent der Wohnungen sind bereits verkauft. Neben State-of-the-Art-Ausstattung wie Waschsalon, Fitnessraum, Digital Concierge und Gemeinschaftsraum mit Terrasse dürfte hier wohl vor allem die Lage den Ausschlag gegeben haben: zwischen Hauptbahnhof, Arsenal, Schweizergarten und dem namensgebenden Belvedere gelegen, mit entsprechendem Fernblick.

Ein Gespräch über Journalismus und Österreich – und warum man die Begriffe Humor, Komik und Witz nicht vermischen sollte

Seit gut 30 Jahren bereist Max Goldt unermüdlich die Lesebühnen im deutschen Sprachraum. Kommende Woche ist er im Wiener Wuk zu Gast. Der Kleist-Preisträger 2008 ist ein Präzisionsarbeiter der Sprache, der den Sprachgebrauch der Gegenwart aufmerksam verfolgt und analysiert. Der Journalismus kam bei dieser Analyse oft nicht sehr gut weg. Ein Gespräch über komische Einladungen vom Deutschen Literaturarchiv Marbach, das Comicduo Katz & Goldt, die Zuneigung zu David Bowie und darüber, ob man "spannend" sagen sollte oder nicht.

"Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zulässt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun." Diese Sätze, die Sie 2001 über die "Bild"-Zeitung schrieben, sind inzwischen zu einem populären Internet-Meme geworden. Verschafft Ihnen das Genugtuung?

Max Goldt: Das ist ein sehr sauber geschriebener Satz, an dem ich kein Jota ändern möchte. Allerdings ist er das Einzige, was ich je über diese Publikation geäußert habe. Es könnte mich irritieren, wenn geglaubt würde, ich beschäftigte mich geistig mit solcherlei Kram. Ich halte es da wie Nancy Pelosi, die neulich sagte, Trump sei es nicht wert, des Amtes enthoben zu werden. Ich habe Nancy Pelosi mindestens sieben Minuten lang geliebt.

Sie üben immer wieder Journalismus- und Sprachkritik – sind Sie ein Mahner und Bewahrer? Würden Sie sich als konservativ bezeichnen?

Ich bin nicht sehr sprachkonservativ, allerdings für die Bewahrung der Ausdrucksfähigkeit und des kulturellen Reichtums. Wegen des schlechten Images von Sprachkritik habe ich meine entsprechenden Texte immer lieber als Spracherörterungen bezeichnet. "Mäkelei", etwa über Gender-Sternchen oder "Deppen-Apostrophe", werden Sie bei mir nicht finden. Ich habe übrigens gar nicht so viele Sprachkritiken geschrieben. Die würden gesammelt kaum ein Reclam-Heftchen füllen.