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Am Rande der Stadt die Wissenschaft: Der Science Park auf dem Campus der Uni Linz ist nahezu fertig. Eine Ortsbeschau

Als präsent im Stadtbild kann man sie nicht gerade bezeichnen: Die Johannes-Kepler-Universität Linz (JKU) versteckt sich am äußersten nordöstlichen Zipfel der Landeshauptstadt, dort, wo sich diese schon fast ganz ins Ländlich-Mühlviertlerische verabschiedet. Die Bauten der Hochschule mit ihren rechtwinkligen, ins reichliche Grün verteilten rationalen Kuben bezeugen deutlich die Zeit der Universitätsgründung Mitte der 60er-Jahre.

Doch wenn man schon nicht in Linz sichtbar ist, will man es auf der internationalen Bühne der Forschung sehr wohl sein. Um den Schwerpunkt dabei von den Geistes- in Richtung Naturwissenschaften zu verlagern, die zum Teil im Stadtgebiet verstreuten Institute zu bündeln und nach amerikanischem Vorbild ein Nebeneinander von Forschung, Start-ups und Kooperationspartner in der Wirtschaft zu schaffen, beschloss man eine Erweiterung des Campus.

Im schicken neuen Bahnhof Tullnerfeld, der am 9. Dezember eröffnet, werden täglich die Intercitys halten. Fraglich bleibt, ob auch jemand aussteigt.

Nach dem Anschluss baute das NS-Regime in Linz 11.000 Wohnungen. Eine Ausstellung widmet sich den Hintergründen der "Hitlerbauten"

Im Dezember 1940, kurz nachdem das Dritte Reich den "Erlass zur Vorbereitung des deutschen Wohnungsbaus von 1940" beschlossen hatte, hielt Robert Ley, Reichskommissar für den sozialen Wohnungsbau, in einer Rede fest, was es mit dem Programm, das außergewöhnlich große Wohnungen vorsah, auf sich hatte: "Wenn eine Vier-Raum-Wohnung da ist, und dann stehen zwei Schlafzimmer leer, dann wird sie das Schicksal schon dazu zwingen, damit diese beiden Schlafzimmer voll werden." Kinder statt Zinsen, so lautete das Leitbild des Wohnens in Kriegszeiten. Wohnraum als Nährboden zur folgsamen Produktion einer wachsenden Volksgemeinschaft.

Der islamische Friedhof in Altach zeigt mit seiner Synthese aus alpinen und muslimischen Elementen Architektur als gebaute Integration

Es passiert wohl eher selten, dass auf einem Friedhof pure strahlende Zufriedenheit herrscht. Noch erstaunlicher ist die Harmonie, wenn es sich dabei um ein Bauprojekt mit fast zehn Jahren Planungsgeschichte handelt, das obendrein das Pawlow'sche Reizwort "Islam" im Programm hat.

Wenn Handelsbetriebe auf die grüne Wiese wandern und die Mitte sich leert, wird das für Kleinstädte bald zur Existenzfrage. Die erste österreichische Leerstandskonferenz suchte nach Strategien gegen die Verödung.

Wie die Planung eines neuen Marktplatzes einen Ort verändern kann, wenn man die Bewohner mitreden lässt, zeigt Zeillern im Mostviertel

Ein Dorf wie viele in Österreich. Nicht weit von Autobahn und Bundesstraße, wenige Kilometer hinter einem Kreisverkehr mit überdimensionierten Birnen in der Mitte. Malerisch gelegen in einem breiten Talkessel zwischen sanften Hügeln. Ein Schild am Ortseingang sagt "Willkommen in der Wohlfühlgemeinde 2009". Es gibt eine Hauptstraße, zwei Wirtshäuser und einen Nahversorger. Ein Hahn kräht, eine Katze räkelt sich in der Sonne, ein Bach rauscht. Von irgendwoher ertönt ein Blasmusikorchester. Es gibt ein schmuckes Schloss und eine schlichte, weißgetünchte Kirche. Dazwischen gibt es einen Marktplatz, über den die Kirchgänger in Anzug und Dirndl nach der Sonntagsmesse spazieren. Das Dorf heißt Zeillern, und sein Marktplatz ist brandneu - und rot.

Auf dem roten Platz steht Dorfpfarrer Rupert Grill und freut sich: "Bevor es den Platz gab, war die Kirche von wucherndem Gestrüpp verdeckt, man hat sie im Vorbeifahren gar nicht mehr gesehen. Eine Verbindung zum Schloss gab es auch nicht. Dabei werden dort mehr als 50 Hochzeiten im Jahr gefeiert. Jetzt steht die Kirche im Blickpunkt, und die Hochzeitsgesellschaften können von der Kirche ohne Umweg zur Feier gehen." Ein Dorfbewohner grüßt den Pfarrer und schiebt sein Rad über den rotgefärbten Betonboden. Eine ältere Frau in Tracht bleibt vor der langen Wand aus kantigen Holzlamellen am Rand des Platzes stehen und liest die Neuigkeiten im Schaukasten. Für die "Zeillinga" ist die Architektur offenbar kein Fremdkörper. Und das liegt daran, dass sie sie selbst geplant haben.

Sie können auch klein: Coop Himmelb(l)aus Kirchenbau im Grenzort Hainburg wird heute eröffnet

 

Ein bedeutender Tag, der 30. April. Denn heute ist es auf den Tag genau auch schon wieder 1700 Jahre her, dass der römische Kaiser Galerius im Edikt von Nikomedia den Christen erstmals die Freiheit der Religionsausübung gewährte. Vorausgesetzt, sie passten sich in der Öffentlichkeit an. Natürlich. Vorbereitet wurde diese epochale Wende in einem Ort am nördlichen Rande des Reiches - Carnuntum an der Donau, nahe dem heutigen Hainburg an derselben.

Weil heute die Tage der deutschsprachigen Literaur, vulgo “Bachmannpreis” in Klagenfurt, eröffnet werden, hier ein uralter Text aus dem Jahr 2004, eine Uraltness, die sich durch das lebendige Herumspringen Jörg Haiders im Text schwer verbergen lässt.

Der junge Herr in der dunklen Jacke mit der Mappe unterm Arm drückt auf den Klingelknopf und wartet auf Antwort, sein unsagbar verlorener Blick seitwärts die Promenade hinauf zeigt, dass er jetzt gerne ganz woanders wäre. *Krks*  “Bitte?”, knarzt es aus dem Torpfosten.

“Ja, Grüß Gott, Tele2 Mobilfunk, wir hätten gerne mit Ihnen über unsere Angebote gesprochen”. Ich erinnere mich an ein halbstündiges Abwehrgefecht mit zwei traurigen aber hartnäckigen Tele2-Gestalten an meiner Tür, und mein Mitleid schwindet rapide, aber verstehen kann ich es schon, dass man woanders sein will, wenn man sich gerade in Klagenfurt befindet.

Aber ab und zu zieht einen etwas aus der Hauptstadt hinaus, in Orte, deren Namen sich anhören, als wären sie der Donald-Duck-Übersetzerin und Onomatopöie-Queen Dr. Erika Fuchs beim Besuch eines Sägewerks eingefallen, man denke nur an SCHRUNS-TSCHAGGUNS. Das gibt einem unter anderem Gelegenheit, an der Autobahnraststätte Bad Fischau die von F.Hundertwasser gestaltete “Erlebnis-Toilette” zu besuchen; der erklärte Feind alles Geraden hat sich jedoch nur im Eck unter den Waschbecken getraut, den Fußboden etwas anzuwölben, wohl damit kein übermüdeter LKW-Fahrer erlebnisüberlastet auf die bunten Fliesen knallt.
Danach durchquert man leeres Hügelland mit lustigen Schildern wie “Pinkafeld - schönste Stadt Europas”. Ob in oststeirischen oder südburgenländischen Reiseführern Venedig als “Pinkafeld des Südens” bezeichnet wird?