standard

Während Pjöngjang sich zum 100. Geburtstag Kim Il-sungs herausputzt, zeigt ein neuer Architekturführer erstmals die Bauten der Stadt

Die Pjöngjanger dürften nicht schlecht gestaunt haben, als Mitte 2008 die älteste Baustelle der Stadt plötzlich wieder zum Leben erwachte. Das monströse, 105-stöckige Ryugyong-Hotel, das 16 Jahre lang als halbfertiger Rohbau vor sich hingebröselt hatte, bekam in Windeseile eine verspiegelte Glasfassade verpasst.

Der mit reichlich Pritzker-Preisträgern besetzte Novartis Campus in Basel nimmt allmählich Gestalt an. Ein Zwischenbericht

Lautlos ziehen die prachtvoll gefärbten Koi ihre Kreise im Wasserbecken auf der Piazza. Unter dem schattigen Blätterdach lehnen Menschen mit klugen, konzentrierten Gesichtern entspannt auf Sesseln, Laptops auf den Knien, international telekonferierend. Sorgfältig behelmte Fahrradfahrer mit Rucksäcken rollen vorbei. Gegenüber stoppt ein Kleinbus sanft an der Haltestelle vor dem Supermarkt. Kleingruppen streben den Tischen unter den Arkaden entgegen: zum Lunch in die Osteria Dodici oder heute mal in die Sushibar?

Eine freundliche und perfekte Welt. So perfekt, dass ein Neuankömmling unweigerlich in die Sonne blinzelt, um zu prüfen, ob diese nicht doch ein Scheinwerfer und das alles eine Art urbaner Truman Show ist. Doch die Szenerie ist voll und ganz real: Der Neuankömmling befindet sich auf dem Novartis Campus in Basel, exakt an der Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich.

Sie können auch klein: Coop Himmelb(l)aus Kirchenbau im Grenzort Hainburg wird heute eröffnet

 

Ein bedeutender Tag, der 30. April. Denn heute ist es auf den Tag genau auch schon wieder 1700 Jahre her, dass der römische Kaiser Galerius im Edikt von Nikomedia den Christen erstmals die Freiheit der Religionsausübung gewährte. Vorausgesetzt, sie passten sich in der Öffentlichkeit an. Natürlich. Vorbereitet wurde diese epochale Wende in einem Ort am nördlichen Rande des Reiches - Carnuntum an der Donau, nahe dem heutigen Hainburg an derselben.

Die Wiener Wohnbauoffensive soll 7500 neue Wohnungen schaffen. Offen ist, ob die bisherige Qualität der Architektur gehalten werden kann.

 

Richard Rogers’ Umbau der ehemaligen Stierkampfarena von Barcelona wurde nach langer und schwieriger Bauzeit eröffnet

Als das katalanische Parlament am 28.Juli letzten Jahres die Geschichte des Stierkampfes in der autonomen Region per Gesetz ein für alle mal beendete, war auf Barcelonas Straßen die Zahl der Protestierenden weit niedriger als die der Jubelnden. Kein Wunder, gilt doch die Corrida als Sinnbild des kastilisch dominierten Spanien, mit dessen blutrünstigem Stolz man so wenig wie möglich zu tun haben wollte. Die Toreros von heute kämpfen im Stadion Camp Nou und heissen Xavi, Messi und Iniesta. Die wenigen Stierkämpfe, die es in Barcelona noch gab, waren nicht viel mehr als Show für Touristen.

Noch prangen an der prachtvollen „La Monumental”, der letzten der ursprünglich drei großen Arenen von Barcelona, die noch genutzt wird, die Schilder mit den Kategorien „Sol” und „Ombra”, die die teuren Schatten- und die billigen Sonnenplätze ausweisen. Ab 2012, wenn das Verbot in Kraft tritt, wird der 20.000 Besucher fassende Rundbau sich nach fast 100 Jahren todesmutigen Torerogetänzels auf unblutige Events wie Konzerte beschränken müssen.

Am anderen, westlichen Ende der Stadt ist diese Transformation schon abgeschlossen: Der zweite noch erhaltene Stierkampfschauplatz, die Arenas de Barcelona, wurde Ende März nach Jahrzehnten des Leerstands und Zerfalls in neuer Funktion eröffnet - als Shoppingcenter. Wo früher Matadores und Picadores in sengender Hitze mit schnaubenden Stieren rangen, drängen sich jetzt kauflustige Besucher auf den Rolltreppen. Dass dieses erste Zeichen der Abschieds von der „nationalen Fiesta” ausgerechnet an der prominenten Plaça d’Espanya steht, ist eine kleine Ironie am Rande.

Vor einem Jahr starb der Architekt Raimund Abraham, sein letztes Bauwerk harrt der Vollendung.

Stirbt ein Künstler mit einem halbfertigen Werk, ist mit dem Ableben des einen auch der Abschluss des anderen unwiederbringlich verloren. Schuberts unvollendete Symphonie wird für immer unvollendet bleiben. Etwas anders verhält es sich in der Architektur: Die Liste von Bauwerken, die nach dem Tod ihrer Schöpfer vollendet wurden, füllt Bücher. Bekanntester Fall ist wohl Antoni Gaudís Sagrada Família.

Oberösterreichische Pragmatik und absurde Zusatzräume: Das junge Büro Hertl.Architekten aus Steyr kann bereits ein beeindruckend umfangreiches OEuvre vorweisen.

Vorgestern, Donnerstag, fang im Parlament eine Enquete zum Thema Umwelt, Bauen und Wohnen statt. Architektur spielte bei dieser Diskussion nur eine Nebenrolle.

Ganz Europa wälzt sich zur Zeit im Styroporfieber. Stuckverzierte Gründerzeitfassaden verschwinden unter Dämmstoffplatten. Mancherorts möchte man ganze historische Altstädte unter einer fugendichten Schaumstoffkruste verschwinden lassen. Nicht wenige kritische Stimmen weisen darauf hin, dass hier Berge von zukünftigem Sondermüll produziert würden. Die Lobby sagt kein Wort dazu.

Das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt zeigt die Bauten von Paul Bonatz, einem Grenzgänger zwischen Monument und Moderne

Wenn ein Architekt einen Plan zeichnet, dann tut er das in der Regel aus zwei Gründen: entweder als Träger der reinen Information, wie etwas auszusehen habe, oder aber, um andere von der eigenen Idee zu überzeugen - Werbung in eigener Sache. Viel seltener passiert es, dass so ein Plan Träger emotionaler Botschaften wird, erst recht, wenn es sich bei dieser Emotion um Zweifel und Frustration handelt.

Die Architekturtriennale in Lissabon widmete sich aus portugiesischer Sicht der banalsten und gleichzeitig schwierigsten Bauaufgabe: dem Haus - Eine Rückschau

Die Besucher der von der Tageszeitung Daily Mail veranstalteten “Ideal Home Exhibition” im London des Jahres 1956 dürften aus dem Staunen nicht herausgekommen sein: Von der Zuschauergalerie betrachtet, erstreckte sich unter ihnen eine Wohnlandschaft mit einheitlich glatten, klinisch reinen Oberflächen. Sechseckige Tische tauchten auf Knopfdruck aus dem Boden auf, futuristische “electrostatic dust collectors” und “tellaloud speaking telephones” saugten und summten, der Kochbereich war bis zum idealen Standort fürs Marmeladenglas durchgeplant. Zur Erleichterung des Verständnisses führten eigens engagierte Schauspieler in Nylonpullovern von morgens bis abends die Handlungsabläufe des Wohnens pantomimisch vor. Eine Szene wie aus einem Traum von Jacques Tati.